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Akupunktur und Hypnose in Koblenz

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Botanik und Zubereitungen

Das Tüpfel-Johanniskraut aus der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae) ist von Juni bis September goldgelb blühend bei uns an Feldrainen, Wald- und Wegrändern zu finden. Arzneilich verwendet werden die zur Blütezeit geerntete ganze Pflanze und ein öliger Extrakt aus den frischen Blüten mit Oliven- oder Leinöl.

Phytotherapeutisch ist erfahrungsgemäß die Urtinktur aus noch nicht ganz aufgeblühten Knospen, die bei Sonnenschein gepflückt wurden, am wirksamsten. Produkte aus getrockneten Pflanzen oder Pflanzenteilen sind weniger heilwirksam.

Um Johanniskrautöl (Oleum hypericin) herzustellen, werden bei Sonnenlicht gesammelte Blüten locker in eine Flasche gegeben und mit kaltgepresstem Olivenöl übergössen. Das Öl muss die Blüten vollständig bedecken. Die gut verschlossene Flasche stellt man drei bis vier Wochen ins Fenster oder an einen warmen Platz. Nach einiger Zeit färbt sich das Öl rot. Der Flascheninhalt wird dann durch ein Tuch filtriert und ausgepresst. Das so gewonnene Öl sollte man am besten in eine getönte Flasche füllen und kühl und trocken aufbewahren.

Religion und Riten

Wer Zugang zu feierlich-rituellem Empfinden hat, wird das Joahnniskraut am Johannistage, dem Ausdruck heiliger Licht- und Wärmekräfte, einsammeln. Im religiösen Volksglauben stand das Johanniskraut seit alters her in hohem Ansehen, wie z.B. die Synonyme Christi Kreuzblut, Christi Wunderkraut, Hergottsblut, Johannesblut zeigen. Der Bezug des Johanniskrauts zum Religiösen wird durch seinen Namen (Johannes = hebr.: jehohanan = Jahwe ist gnädig) und durch seine besondere Beziehung zum Licht verdeutlicht. Hypericum macht empfindlich und empfänglich für Licht, bereitet auf das Licht vor. So wie Johannes der Täufer denen, die ihn für den Erlöser hielten, sagte, dass er nur Vorbereiter auf das wahre Licht sei.
In früheren Zeiten wurden am Sommersonnenwendetag Kränze aus dem Johanniskraut geflochten, die die Mädchen dann nachts als »Johanniskrone« trugen, wenn sie um das Johannisfeuer tanzten. In dieser Nacht wurden die Kränze ins Wasser gelegt, und am Aufblühen der verwelkten Blüten konnten die jungfräulichen Mädchen ablesen, ob sie im nächsten Jahr verheiratet werden würden. In Österreich war es alter Brauch, das Kraut zwischen zwei Scheiben Brot zu legen und dem Vieh so zu verfüttern, um es vor Krankheiten zu bewahren.

Wirkungen

Die photosensibilisierende Wirkung von Hypericum ist besonders anschaulich bei Weidevieh zu beobachten, das nach dem Fressen von Johanniskraut an unpigmentierten Hautstellen nach Sonnenlichteinfluss Erytheme, Geschwüre und Nekrosen entwickelt. Bei Schafen in Süditalien, die das dort wachsende Johanniskraut (Hypericum crispum) fraßen, wurden die gleichen Beobachtungen gemacht. Allerdings waren von den Effloreszenzen nur die weißen Tiere betroffen, die schwarzen waren durch das Pigment vor den Sonnenstrahlen geschützt.
In der Phytotherapie gilt das Johanniskraut als Kardinal-Nervenmittel der milden Heilkräuter. Seine Wirkung als pflanzliches Neuropsychotonikum ist bei funktionellen Depressionen eine nützliche Alternative zu den chemischen Psychopharmaka. Die Wirkung wird als beruhigend und stimmungsaufhellend beschrieben. Es wird als besonders geeignetes Heilkraut für die Wechseljahre empfohlen, wenn es durch die Umstellung zu Reizbarkeit oder Angstzuständen kommt.

Äußerlich aufgetragen, als Oleum hypericin oder als Tinktur, ist das Johanniskraut ein vielgerühmtes Wundheilmittel. Es beschleunigt die Heilung von offenen Wunden wie Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen. Das Öl eignet sich besonders gut zur Behandlung leichter Verbrennungen und zur Linderung strapazierter Haut nach Sonnenbrand.

Indikationen

Der Indikationsbereich von Hypericum in der Homöopathie ist umfangreicher, aber offensichtlich l aufgrund der bisher nur begrenzten »kleinen« Arzneimittelprüfungen nicht voll ausgeschöpft. Es liegt nahe, dass seine Nützlichkeit, gerade bei psychischen Leiden, durch erneute, intensivere Prüfungen am gesunden Menschen deutlich werden wird.
Allgemein ist es das große Mittel für Nervenverletzungen, insbesondere wenn es sich um Finger-, Zehen- oder Nagelverletzungen handelt. Eingeklemmte Finger, speziell die Fingerspitzen, die extrem schmerzen, verlangen als erstes Mittel Hypericum. Es wird das »Arnika der Nerven« genannt. Bei allen akuten Verletzungen, auch bei blutenden, die nervenreiches Gewebe betreffen, ist es als erstes Mittel angezeigt und kann dann mit Arnika im Wechsel gegeben werden.

Eine gute Wirkung zeigt sich bei Wirbelsäulenverletzungen und sich daran anschließenden Beschwerden chronischer Art. Das gleiche gilt für die Folgen von Commotio und Contusio cerebri im akuten Stadium, wie auch für Spätfolgen, insbesondere, wenn sich nach der Verletzung langfristig Depressionen einstellen.
Ein Leitsymptom für die Verordnung von Hypericum ist die außerordentliche Schmerzhaftigkeit der verletzten Körperregion. Die Wahl des Mittels bei Stichwunden geht wahrscheinlich auf die Signatur der Blätter zurück, die infolge der mit ätherischem Öl gefüllten Punkte wie durchstochen (perforatum) ausschauen. Hypericum passt aber eher zu sich allmählich entwickelnden Symptomen nach Stichverletzungen, z.B. einem Hundebiss in die Hand.

Das erste Mittel bei Stichwunden ist Ledum palustre. Bei Ledum zählen zu den Stichwunden insbesondere die Insektenstiche. Außerdem wirkt es als Gegenmittel gegen Spinnengifte. Während Arnika, Rhus toxicodendron, Ruta, Anacardium und Calcarea Mittel für Muskel-, Knochen-, Sehnen- und Blutgefäßverletzungen sind, passen Hypericum und Ledum für Verletzungen der Nerven. Beide Mittel, wie auch Arnika, haben nach Ansicht homöopathischer Autoren früherer Zeiten die Fähigkeit, Tetanus zu verhindern.

Charakteristisch für Verletzungsfolgen, bei denen Hypericum gebraucht wird, sind stechende, intermittierende, heftige Schmerzen, die von der Verletzungsstelle über den Körper ausstrahlen. Wenn hier Hypericum als erstes Mittel verabreicht wird, kann einer traumatischen Neuralgie oder Neuritis vorgebeugt werden.

Starke postoperative Schmerzzustände fallen ebenfalls in den Anwendungsbereich von Hypericum, wo es die Wirkung von Morphium sogar übertreffen soll (BOE-RICKE/HELMUTH). Neben seiner Wirksamkeit als Verletzungsmittel kommt Hypericum bei entsprechenden Modalitäten und entsprechender Gesamtsymptomatik weiterhin für depressive Zustände, Kopfschmerzen, blutende Hämorrhoiden, Magenbeschwerden und diverse Hautausschläge in Frage.

Alle Beschwerden, die Hypericum verlangen, werden durch Kälte, Feuchtigkeit, insbesondere Nebel, und Berührung der betroffenen Körperpartien verschlimmert. Kopfschmerzen werden durch Nach-hinten-Beugen des Kopfes gebessert.

Homöopathische Antidote von Hypericum sind Arsenicum album und Chamomilla.
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